Shrub

"Mr Rushworth," said Lady Bertram, "if I were you, I would have a very pretty shrubbery. One likes to get out into a shrubbery in fine weather." —Jane Austen, Mansfield Park
"He had followed her into the shrubbery with no idea of trying it." —Jane Austen, Emma

Solche Bilder gingen mir durch den Kopf, als ich vor einige Wochen auf Twitter las, dass @vinoroma am gleichen morgen gelernt hatte, was "shrubs" sind. Prompt bekam ich eine Erklärung: Mit dem englischen Landleben aus dem 19. Jahrhundert hatte es nichts zu tun. Es ist eine Art säuerlicher Obstsirup, den man früher in den USA vorbereitet hat, als es nicht viele Möglichkeiten gab, Obst zu konservieren, und den man mit Sprudelwasser trinkt. Das Ur-"Soft drink", sozusagen. Es traf sich gut, denn meine Eltern besuchten mich einige Tage später mit reichlich reifes, schmackhaftes Obst, das sie aus Südfrankreich gekauft hatten.

Wenige Minuten Recherchen ergaben, dass es zwei Hauptsorten von Shrubs gibt: die gekochte und die kalte. Da ich ein Faible für sehr einfache Rezepte habe, habe ich mich für die rohe, kalte Variante entschieden, die ich auf dem Cocktail 101 Blog gefunden habe.

Aprikosen-Pfirsich-Shrub (nach Cocktail 101)

Ein Tasse mit gewaschenen, in Stücke geschnittene Aprikosen (in meinem Fall 2) und Pfirsisch (bei mir 1) füllen. In einen Schüssel geben. In der selben Tasse Rohrzucker messen Mit dem Obst in den Schüssel mischen, mit Frischhaltefolie decken, und einige Tage (bei mir 5) in dem Kühlschrank vergessen.


Die mitterweile saftige Mischung herausnehmen. Den Saft abtropfen lassen, und in eine saubere Flasche geben. Der restliche Zucker aus dem Obst entnehmen, und in die Flasche geben. Eine Tasse Essig (bei mir Weißwein) messen, und zu den Inhalt in die Flasche geben Schliessen, und schütteln, bis der Zukcer sich komplett aufgelöst hat. In dem Kühlschrank lassen, und ab und an riechen. In den ersten Tagen ist der Essiggeruch sehr stark, wenn auch der Obstgeruch vorhanden ist. Nach und nach scheint sich die Mischung auszugleichen, und nach ca. zwei Wochen habe ich angefangen, den Shrub zu benutzen.



Wie es schmeckt? Süss, angenehm sauer, und dezent nach Obst schmeckend. Angenehm sauer ist es mir, und wird bestimmt nicht von jedem so empfunden: Mir fehlt aber in Deutschland im Sommer den einfachen "Citron pressé", einfach frischer Zitronensaft, der mit kaltem Wasser (nicht mal Sprudelwasser) gemischt wird, den man in Frankreich in jedem Café findet. Der Shrub, wie ich es bisher serviert habe, ist nicht so sauer wie der Citron pressé, aber schon sehr erfrischend. Mehr Shrub Sirup (im Foto ist es doppelt so viel, wie ich eigentlich für das Glas nehme) will ich aber nicht benutzen, denn ich bin kein Fan von sehr süssen Getränke (Meine nicht alkoholische Getränke: Eine Cola alle fünf Jahre, Ginger Ale und Bitter Lemon höchsten fünf Mal im Jahr, und ansonsten wasserohnekohlensäure, das erste Wort, was der Franzose in Deutschland lernt. Lebenswichtig.)
 
Was man noch wissen kann:
Aus dem marinierten Obst habe ich eine Art Kompott gemacht. Einfach so gekocht. Es hat ein die Konsistenz  vom gekochtem trockenem Obst, und ist als Aufstrich sehr lecker. Mehr als ein Schälchen gab es nicht, und ich habe es im Kühlschrank aufbewahrt.
Auf dem Blog gibt es ein neueres Posting zu Shrubs, mit interessanten Varianten.
Ich weiß, man sagt eigentlich "antialkoholisch", aber ich habe nichts gegen Alkohol, und Cola und co. auch nicht. Bin ich die Einzige, die dieses Wort irritier?

Die Rückkehr der Faisselle

Nicht, dass es zu lange her, dass ich die Faisselle hier eingeführt habe, aber ich habe nach dem ersten Beitrag eine Hilfe entdeckt, die mir bis dahin nicht eingefallen war, und auch ein für mich völlig neues Abtropfsieb, das zu einen nicht nur optisch anderen Ergebnis führt.

Zuerst der Tipp, mit dem sich bei jeder Temperatur Milch und Lab problemlos in Dickmilch umwandeln lässt: Wenn die Zimmertemperatur relativ niedrig ist, wärme ich mein Ofen auf ca. 35°C, mache ihn wieder aus, und stelle die warme Milch-Lab Mischung drin. Die Dickmilch entsteht garantiert in wenigen Stunden.
Wenn die Temperaturen so hoch wie in den letzten Tagen sind, lasse ich die Flasche Milch erstmal draussen, bis sie sich erwärmt hat, dann erhitze ich sie bis zu 37°C und mache weiter wie üblich. Es funktioniert bei den Temperaturen wunderbar, und es erklärt auch, warum meine Mutter Faisselle nur im Sommer vorbereitet.

Dann mein neues Abtropfsieb: Ich habe es in Griechenland gefunden, und obwohl es nicht gerade günstig war (25 Euros, und das war das günstigste Modell; der Verkäufer wollte mich ins Supermarkt schicken, wo ich ein Plastiksieb für glaube ich 70 Cents kaufen könne), bin ich sehr froh, es gekauft zu haben. So sieht es  von oben aus:


Und es ergibt, in dem Fall nicht mal halb gefüllt, mit ca. 0,5 Liter Milch, nach 24 Stunden abtropfen einen schönen und bereits ziemlich festen Frischkäse (aus 3,7% Bio-Rohmilch):


Zum Vergleich, hatte ich die andere Hälfte gleichzeitig in der Plastik-Faisselle abtropfen lassen, und sowohl Aussehen als auch Konsistenz und sogar Geschmack sind unterschiedlich. Bei dem Flechtabtropfsieb hat man schon den Eindruck, eine Stufe weiter als Frischkäse zu sein, denn es tropft in der Zeit deutlich mehr ab, und gleichzeitig haftet die Oberfläche and die Fasern, so dass sie noch schneller trocknet.


Ich habe noch nicht viel damit rumprobiert, aber der nächste Test wird es komplett mit dem "Caillé" zu füllen.


Und von jetzt an halte ich überall nach Alternativ-Abtropfsiebe Ausschau. Es könnte zu eine Art Hobby werden, wenn tatsächlich die Ergebnisse so leicht anders sein können.