Ich esse selten Fleisch und fantasiere
auch selten daran, aber in den letzten Tagen habe ich immer häufiger
an Chou farci gedacht, und bevor es zu eine regelrechte Obsession
wird, habe ich eine kleine Ladung der französischen Kohlrouladen
gekocht. Zwar gibt es eine Version, bei der man einen ganzen Kohl mit
Fleisch füllt und rekonstruiert kocht, aber die einzelnen Portionen
haben den Vorteil, dass man ein Teil einfrieren kann und später noch etwas
ansehnliches anzubieten kann.
Das Rezept habe ich aus dem Buch
Ripailles von Stéphane Reynaud entnommen (in deutsch Vive
la France!: 299 Rezepte aus dem Schlemmerparadies
). Ich bin nach wie vor von dem Buch begeistert: Es ist eine richtig
gute Sammlung Klassiker, die sehr gut nachzukochen sind. Die Rezepte
sind unheimlich knapp redigiert, gelingen aber immer.
Im Original sind 20g trockene Steinpilze (die hatte ich nicht; sie werden im Wasser eingeweicht und mit dem Kohl „kompottiert“) und 50g Chorizo (da ich Pimenton de la Vera habe, habe ich absichtlich darauf verzichtet).
Chou farci (nach Stéphane Reynaud in
Ripailles
)
Für sechs Personen
1 Wirsing
600g Schweinewurstfleisch (oder 600g
Bratwurst, die man entleert)
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
10cl Schlagsahne
1 Ei
Pimenton de la Vera, scharf: nach
Geschmack
50cl Weißwein
Grobes Meeressalz
Salz, Pfeffer
Sechs schöne Wirsingblätter nehmen
und sie in kochendem, gesalzenem (mit grobem Salz) Wasser
blanchieren. Sofort unter kaltem Wasser abkühlen. Den harten Stunk
vorsichtig entfernen.
200g Wirsing, grob gehackt, mit der
Schalotte, und dem Knoblauch andünsten. Pimenton de la Vera und
Sahne dazu geben, und „kompottieren“.
Diese Wirsingkompott mit dem Fleisch,
dem Ei, Salz und Pfeffer mischen. Mit einer Hand geht es am Besten.
In sechs Stücke teilen.
Backofen auf 180°C erhitzen.
Je ein Fleischpaket in einem
blanchierten Blatt wickeln. In eine Gratinform verteilen. Den Wein
dazu geben und 45 Minuten backen.
Es kann sowohl warm als auch kalt serviert werden.
Es kann sowohl warm als auch kalt serviert werden.
Ich konnte heute die alte Weisheit
meiner ehemaligen Japanischlehrerin wieder bestätigen: Wer eine
gute, relativ tiefe Pfanne hat, kann damit sehr viel kochen. Es ging
ihr darum, dass sie die ersten Jahren in Deutschland sehr gut ohne
Reiskocher überlebt hatte, weil sie eine gute Pfanne hatte, in der
sie neben dem Reis auch alles anderes vorbereiten konnte, sei es Wasser für den Tee
kochen, Gemüse braten und Omelettes backen. Ich habe in meiner Edelstahlpfanne
sowohl meine Kohlblätter blanchiert, als auch mein Wirsingkompott
vorbereitet und die Rouladen im Backofen gebacken.
Zu den Rouladen habe ich Pasta ausgeröstetem Weizen
serviert, über der ich in letzter Zeit einiges gelesen hatte, und
die ich jetzt in meinem bevorzugtem Bio Supermarkt entdeckt habe. Von
der Konsistenz nähern sie sich Vollkornnudeln an – es geht aber
gerade noch - und sie haben tatsächlich einen interessanten,
leichten Röstgeschmack.



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