Bleichsellerie (statt Liebstöckel), Kopfsalat, Erbsen und Gurkensuppe

Der Titel ist lang, aber einen besseren Namen für diese Suppe hat Hugh Fearnley-Whittingstall (vom River Cottage) auch nicht gefunden. Das Rezept habe ich am Samstag auf der Guardian Seite gelesen, immer eine gute Quelle. Da ich eben einige Tage in einer Einrichtung verbracht hatte, die anscheinend glaubt, dass Kartoffeln aus dem Glas und Schmelzkäsezubereitung gesundheitsfördernd sind, war mir sehr nach frischem Gemüse, und diese Suppe hat da viel zu bieten. Liebstöckel wie im Originalrezept angegeben habe ich nicht gefunden, und ich dachte, ich würde noch warten müssen, bis ich zum ersten Mal den probiere, bis ich mit meiner Mutter darüber sprach. Den französischen Namen (livèche) hatte ich gegoogelt. Das kannte sie nicht. Dann sagte ich, Hugh Fearnley-Whittingstall meinte, es wird in Frankreich auch céleri bâtard genannt. „C'est du lapi!“ hörte ich am Telefon. Es ist „lapi“ (a lang gesprochen, i so kurz, dass man es kaum hört). So heißt es in Patois aus der Ardèche (und vermutlich weiter im Süden?), und meine Eltern haben immer welches im Garten, das meine Mutter in die Gemüsesuppe mit kocht. Ich habe also schon immer davon gegessen, und für mich war das einfach das Sellerie aus dem Garten, das einfach stärker im Geschmack und kleiner ist als was man im Supermarkt kauft, genau wie die Paprika aus dem elterliche Garten ganz anders sind als die aus dem Markt...
Das Rezept habe ich also mit Bleichsellerie vorbereitet, ansonsten haargenau alles genau gefolgt: Es war wirklich köstlich, und ist ohne zu zittern nachzukochen, wenn man Grünes mag. Mit „lapi“ mache ich sie bestimmt auch mal.

Bleichsellerie, Kopfsalat, Erbsen und Gurkensuppe

Für 4 Pers. (oder nach Erfahrung für 2 als Hauptgericht)
20g Butter
1 Zwiebel, klein gewürfelt
1 TL frischer Thymian, gehackt
Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Einige Bleichselleriestangen (oder junge Liebstöckelstangen), gehackt
700 Hühner- oder Gemüsebouillon
2 kleine Kopfsalatherzen (ein Romanaherz habe ich genommen; war größer)
100g Erbsen
½ Gurken, entkernt und geschält, in 5mm Würfel geschnitten
1 kleines Handvoll Sellerie (oder Liebstöckel) Blätter
Einige EL Crème Fraiche oder Rahmjoghurt

Die Butter in einem breiten Topf erhitzen. Zwiebel, Thymian und eine Prise Salz dazu geben, und sautieren, bis der Zwiebel glasig ist, ca. 10 Minuten. Die Bleichselleriestangen hinzugeben und ein paar Minuten sautieren. Das Bouillon dazugeben und 10 Minuten lang köcheln. Der Rest des Gemüse geben, bis auf die Blätter (sie sind für die Deko), und fünf Minuten köcheln. Abschmecken und mit Crème Fraiche oder Yoghurt und die Blätter servieren.


Was man noch wissen sollte:
Ich habe Gemüsebouillon-Pulver ohne Hefe und ohne Geschmacksverstärker benutzt. Wenn ich so was nicht habe, benutze ich lieber nur Wasser und ein bisschen mehr Kräuter.

Melon au Muscat

Die richtige Vorpseise bei diesem Wetter. Oder Hauptspeise. Mehr brauche ich dazu nicht erzählen.

Melon au Muscat

Für. 2 Pers.
1 reife Melone (aus Cavaillon zum Beispiel)
Muscat de Beaumes de Venise, de Frontignan, de Saint Jean de Minervois
oder de Rivesaltes
Optional: schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Die kalte, reife Melone halbieren.


Die Kerne entfernen, und in jede Hälfte kalter Muscat gießen, soviel wie man will. Wenn Zeit vorhanden ist, nochmal kühl stellen. Kühl servieren, eventuell mit Pfeffer.


Was man noch wissen kann:
Die Muscat-Weine habe ich nach ihrer Entfernung zu Cavaillon sortiert. Beaumes de Venise liegt in der Nähe, und wird aus dem Grund häufiger zusammen serviert.

Breite Bohnen-Gemüse

Ich habe mir vor ein paar Monate einen neuen Reiskocher gekauft. Das alte chinesische Gerät, das mir eine Tante vor vielen Jahren aus La Réunion gebracht hatte, war so oft benutzt worden, dass ich angefangen habe, mir Gedanken über den Zustand des Reisbehälters zu machen... (Ich habe auch in letzter Zeit einiges über die Beschichtung von Kochtöpfe und -pfannen gelesen (hier (fr) und da (en))und bin einiges losgeworden.)
Ich habe mir kein teures japanisches Gerät zugelegt – 200 Euros sind auf der Immermanstraße keine Ausnahmepreis – sondern ein Zwischending mit mehrere Funktionen inklusive Timer, ähnlich wie manche Schmortöpfe, aber ohne Temperaturregler. Ein Dampfeinsatz gibt es auch, und es ist – unerwartet – was ich derzeit am Häufigsten benutze. Ich nehme es für eine falsche „Instant-Caponata“ (Gemüse (Tomaten, Zwiebel, Knoblauch, Paprika wenn vorhanden und Auberginen oder Zucchini) drin, und wenn alles gar ist, mische ich Essig, Öl und Kapern darunter: fertig), und habe heute mit breiten Bohnen etwas schnelles und ähnlich zufriedenstellend gemacht.

Breite Bohnengemüse
Für 1-2 Portionen
1 Handvoll breite Bohnen (ca. 300g, glaube ich)
1 mittelgroße Tomate
½ roter Paprika
2 mittelgroße Zwiebeln
2 Knoblauchzehe
2 TL Pimenton de la Vera (dulce)
Rosmarin (beim nächsten Mal Lorbeer)
gutes Olivenöl
Salz
Das Gemüse putzen, grob schneiden, und in den Dampfeinsatz geben, fest bleibende Zutaten (Bohnen) zuerst. Rosmarin, etwas Salz und Pimenton de la Vera darüber verteilen.
35 Minuten Dampfmodus programmieren und kochen (lassen).
Gemüse in eine Schüssel kippen, mit Öl und eventuell mehr Salz und Pimenton nachwürzen und Teil des Rosmarins darin hacken. Sofort servieren, aber kalt schmeckt es auch.
Was man noch wissen kann:
Breite Bohnen heißen auf Französisch "haricots plats", also flache Bohnen, und auf Englisch nicht "broad beans" (es sind dicke Bohnen), sondern flat beans. Ich schreibe es mal auf, weil ich plötzlich den korrekten Begriff in meiner Muttersprache nicht mehr gewusst habe...
Ich habe zum ersten Mal die edelsüße Version von Pimenton de la Vera benutzt, und bin richtig begeistert.
Ich habe am Wochenende auch zum ersten Mal Laphroaig ...gerochen, und bin ähnlich begeistert.
Das sieht nach Trend aus. Da war auch mal was.