Pâté Bourbonnais

Vor kurzem habe ich bei Franz von einfach koestlich einen Kartoffelkuchen entdeckt, der mir beim ersten Anblick bekannt vorkam. Bei näherem Betrachten jedoch, war er anders, und nicht so simpel, als die Version, die ich kenne.
Was ich im Kopf hatte war der Pâté bourbonnais oder Pâté de pommes de terre aus der Region Bourbonnais im Norden der Auvergne. Es ist eine lokale Spezialität, und ich kenne sie nur weil einer meiner Brüder schon länger in der Gegend lebt. Dort wird es gerne gegessen, aber selten zu Hause vorbereitet: Bei jedem Traiteur ist es aber zu finden.
Laut Brüderschaft des Pâté Bourbonnais wurde das Rezept während der Hungernot in 1789 entwickelt, da besonders Freitags so gut wie nichts auf dem Tisch stand: zu wenig Brot, kein Fleisch und auch kein Fisch, weil es verboten war in den dortigen Teiche zu angeln. Bis dahin, das habe ich schon mal erzählt, hatte sich der Kartoffel in Frankreich anders als in den Nachbarländer nicht durchgesetzt, trotz frühem Einsatz meines berühmten Urahn.

Pâté Bourbonnais (nach dem Rezept der Confrérie du Pâté aux pommes de terre Bourbonnais)

Für 4-6 Portionen
2 Blätterteigplatten à 270g (groß)*
1 kg Kartoffeln
200-300g Crème Fraîche
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
1 Eigelb, geschlagen

Kartoffel schälen und in dicke Scheiben schneiden, ca. 7mm breit. Ein Blätterteigplatte auf Backpapier auf einem Backblech legen. Da die deutsche Fertigteigindustrie das Rad nicht entdeckt hat, schneiden und flicken, damit an Ende einen runden Kuchen entstehen kann. Die Kartoffelscheiben übereinander im Kreis arrangieren, ruhig mehr in der Mitte als am Rand, ohne zu vergessen, einen breiten freien Teigrand zu lassen.

Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuß abschmecken. Die zweite Teigplatte so schneiden, dass sie die Kartoffel bedeckt und darauf stellen. Den Rand der untere Scheibe befeuchten, und über den oberen Teil „kleben“. Einen 5cm breiten Kamin in der Mitte herausschneiden. Mit dem Eigelb bepinseln und in den heißem Ofen (180°C Umluft**) 45 Minuten backen.

Sofort mit einem Teelöffel anfangen, Löffel für Löffel die Crème Fraîche reinzuschieben. Unglaublich, aber es klappt wirklich... zumindest bei mir bis knapp über 200g, in dem ich den Pâté ein bißchen seitlich gehalten und gedreht habe. Manche schneiden den ganzen Deckel ab, geben die ganze Crème Fraîche und legen den Deckel wieder drauf.


Warm oder kalt essen, am besten zu einem grünen Salat mit Vinaigrette.


Was man noch wissen kann:
* Ich habe Bio Dinkelblätterteig von Rewe benutzt. Ich mache mal Werbung, weil bei meinem Bio-Supermarkt nur kleine tiefgefrorene Ecken zu finden sind, die zwar sehr gut schmecken, aber nicht immer sehr hilfreich sind, um nicht gleich zu sagen, dass mir das Angebot richtig frustriert, inklusive der Tatsache, dass kein Hersteller Kreise schneiden kann.
** Ich habe zuerst bei 200°C gebacken, nach 15 Minuten war der Pâté schon sehr golden, also habe ich auf 180°C heruntergestuft, und 15 Minuten später wieder um 160°C. Also durchschnittlich ca. 180°C. Und ja, die Kartoffelscheiben sind danach absolut gar. Im Originalrezept für 1,5kg Kartoffeln war die Backzeit 1 Stunde bei 210°C.

Beim Googlen bin ich auf dieses ziemlich fantastisches Video gestoßen. Zu einem ist es in meinem Land verfügbar, und es ist eine französische Fernsehsendung von 1960, mit dem ersten französischen Fernsehkoch überhaupt, Raymond Oliver, ein Sternekoch dazu, und Vater eines weiteren Promikoch (Michel Oliver). In dieser Episode wird ein Pâté Bourbonnais vorbereitet, mit Mürbeteig. Weil die Sendung länger als die Vorbereitung dauerte (25 Minuten), zeigt Raymond Oliver noch, wie man Rosen aus Teig kreiert. Die Mitmoderatorin Catherine Langeais gilt heute noch als die bekannteste Speakerine Frankreichs.

ein Klick führt zu Video auf www.ina.fr

Liebster Blog-Auszeichnung

Sabine von „Ti Saluto Ticino“ hat meinem Blog, bereits vor einige Wochen, eine Auszeichnung verliehen, die sie selbst von Ulrike von Küchenlatein bekommen hat. Eine besonders nette Auszeichnung, denn sie hat damit mein Blog als eines ihrer liebsten kleinen Blogs ernannt. Das gefällt mir.

Für die nette Geste bedanke ich mich recht herzlich und... ti saluto Sabine piena di ricette e di indirizzi, aus einer Ecke Europas, die ich gar nicht kenne und die sehr schön zu sein scheint. Von nun an werde ich häufiger nach Tessin verreisen, wenn auch erst mal nur virtuell.

Mit der Auszeichnung kam natürlich eine Verpflichtung, die gar nicht so leicht nachzugehen ist. Dass ich nicht die Einzige bin, die das Problem hat, erleichtert mir die Sache nicht. Ich lese zwar sehr gerne Blogs, darunter besonders Kochblogs, aber auch eine Menge zu anderen Themen, und ich muss auch gestehen, dass ich mich derzeit sehr schnell von Revolutionen, die sich über Twitter verfolgen lassen, ablenken lasse...

Dennoch habe ich ein paar Blogs gefunden, die ich gerne hervorheben möchte, nicht unbedingt weil sie klein oder unbekannt sind, aber weil sie mir besonders gut gefallen und vielleicht dem einen oder anderen Leser nicht bekannt sind. Les gagnants sont:

Bei Foodina habe ich vor kurzem ein Bericht über meine Kantine entdeckt, aber in ihrer abendlichen Version, die ich nicht kenne. Man muss jedoch wirklich nicht in oder um Düsseldorf wohnen, um diesen Blog zu lesen, denn man findet dort viele würzige – vor allem aber nicht nur Indische – Rezepte, die wirklich sehr verlockend sind.

Bei Anie's Delight gibt es attraktive Rezepte für Lebensmittelallergiker, und es sind mittlerweile viele, die Allergiker, besonders wenn man die Lebensmittelunverträglichkeiten dazu zählt. Mit einem Rezept für Kastanienkonfitüre aus reinsten Zutaten hat man bei mir sofort voll gepunktet.

Und dann ein französisches Blog, La peau d'ourse, weil es nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, die Auszeichnung über die Grenze hinaus zu geben. Unter der Adresse bloggt diese erfahrene Bloggerin erst seit Ende des Jahres. Auch wenn man nicht französisch versteht, wird man Spaß an ihren schönen Skizzen und Fotos haben; und Französischsprachige werden bestimmt wie ich auch ihre (Reise- und Eß-)Erzählungen und Rezepte mögen.

Wer möchte, kann sich an den Regeln halten und die Auszeichnung weiterverleihen:

Die Regeln zum Verleihen dieser Auszeichnung:

“Dir wurde die Auszeichnung verliehen und du möchtest ihn gerne weitergeben?

Erstelle einen Post, indem du das Liebster-Blog-Bild postest und die Anleitung reinkopierst (= der Text, den du gerade liest). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir die Auszeichnung verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, dass du die Auszeichnung annimmst und ihr den Link deines Auszeichnung Posts da lassen.

Danach überlegst du dir 3 – 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst und die Besitzer jeweils per Kommentarfunktion informierst, dass sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.

Liebe Blogger: Das Ziel dieser Aktion ist, weniger bekannte, gute Blogs ans Licht zu bringen. Deswegen bitte ich euch keine Blogs zu posten, die ohnehin schon täglich 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger und Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.”

Galette des rois in Köln

Ich entdecke eben, dass eine französische Bäckerei-Konditorei in Köln-Nippes eine Galette des Rois auf Vorbestellung macht. Bis wann sie welche produziert, weiß ich nicht - in Frankreich ißt man sie noch bis Ende Januar - und genauso so wenig, wie gut sie ist, aber vielleicht wird es ein Leser interessieren.

Kontakt:
Epi Boulangerie-Patisserie
Neusser Str. 32
50670 Köln
Tel.:0221 37 99 66 56

Übrigens: Es ist in Frankreich üblich, Galettes zu kaufen, nicht selbst zu herstellen.

Bittere Orangenmarmelade

Vor gut zwei Wochen habe ich Bitterorangen in „meinem“ Bio-Supermarkt gesichtet, und das sofort als Zeichen genommen, dass die Zeit gekommen war, selbst mal Orangenmarmelade zu machen Ich esse nicht sonderlich viel Konfitüre. Für eine Französin esse ich sogar sehr wenig Konfitüre... Aber Orangenmarmelade macht mich immer schwach.
Ich habe nicht lange überlegt - denn wie lange finde ich noch welche? - und auch nicht lange nach einem Rezept gesucht: Ich habe „Nigel Slater“ „Orange marmalade“ in Google eingegeben – ich vertraue dem Mann sehr – und habe prompt sein Rezept gefunden, das er nach 16 Jahren Versuche und Überlegung 2009 der Welt mitgeteilt hat. Ich habe mich sehr stark an seine Version gehalten, und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Da die Bitterorangen-Saison sehr kurz ist, und schon die Belohnung durch den Orangenduft, der sich während der Vorbereitung und des Kochens breit macht, immens ist, warte ich also mal nicht länger, und poste schnell das Rezept.

Die Vorbereitung läuft über zwei Tage. Perfekt für ein verregnetes Wochenende.

Orangenmarmelade nach Nigel Slater

Für ca. 5 Gläser:
12 Bio- oder unbehandelte Bittere Orangen
2 Bio oder unbehandelte Zitronen
1.25kg unraffinierter Kristallzucker

Material: kleines, scharfes Messer, ca. 7 Liter Kochtopf, Musselin-Tuch (zum abtropfen und pressen), diverse Schüssel, Moulinette (flotte Lotte; nicht im Originalrezept, aber sehr hilfreich, wenn man nicht soooo stark ist), saubere Schraubgläser, die neben den Deckeln, kurz vor dem Einfüllen 5 Minuten bei 110°C im Backofen sterilisiert werden, passender Trichter,Schöpflöffel

Tag 1:
Mit einem kleinen, besonders scharfen Küchenmesser, das Obst von oben nach unten vier mal einschneiden, ohne das Fruchtfleisch durch zu stechen, um die Haut leichter in vier Vierteln entfernen zu können. Je nach Geschmack und Geschick wird mehr oder weniger vom weißen Teil mit der Schale entfernt.

Die einzelnen Viertel der Schale in feine Streifen schneiden (oder dickere Streifen, wenn man die Textur „chunky“ mag). Dieser erster Teil der Arbeit klingt nach nichts, ist aber schon ziemlich zeitaufwändig. Ich habe nur die Hälfte der Schalen in Streifen geschnitten und in der Marmelade gekocht. Ich mag die Schale sehr, und ich fand die Konzentration im Endprodukt schon sehr zufriedenstellend.


Jede Orange und Zitrone pressen, und den Saft in einem Krug zur Seite stellen. Zur Information: Ich hatte hier ca. 0,7 Liter Saft. Alle Orangenwände, Kerne, nicht in Streifen geschnittene Schalen – also alles was nicht Saft und nicht Schalenstreifen ist – auch aufbewahren!
Den Saft bis zu 4 Liter mit kaltem Wasser komplettieren, und in eine Schüssel mit den Schalenstreifen geben. Den reservierten Orangenmark, Kerne, usw. in das Stofftuch geben, das Tuch binden und unter den Saft tauchen. Über Nacht in einem kühlen Ort ziehen lassen.


Tag 2:
Am nächsten Tag, den Saft und die Schalenstreifen in einem großen Kochtopf geben, und das gefüllte Tuch unter den Saft legen. Zum Kochen bringen, dann die Hitze reduzieren, so dass die Flüssigkeit munter weiterköchelt. Dieser Schritt ist fertig, wenn die Schale total weich und durchscheinend ist. Das kann zwischen 40 Minuten und gute 1,5 Stunden dauern, je nachdem, wie dick die Schale geschnitten wurde.
Sobald die Frucht bereit ist, das Musselintuch entfernen und in eine Schüssel lassen, bis es kühl genug zu handhaben ist. Den Zucker in den Topf geben und die Marmelade zu kochen bringen. Jedes Bisschen Saft, das es gibt, aus dem Beutel herauspressen. Hier muss ich gestehen, dass es mir zu mühsam war – mir fehlt einfach die physische Kraft dafür, außerdem hatte ich auch die nicht benutzte Schalen in dem Tuch - aber ich habe meine Moulinette geholt, und den Fruchtmarkt in kleine Mengen passiert, und das Ergebnis (fünf großen Esslöffel) in die Saftmischung gegeben. Ich verstehe, dass sehr viel Pektin in den Wänden und Kerne der Orangen sitzt, so dass man sich durch diesen Schritt den Kauf von Bielefelder oder sonstige überflüssige Gelierprodukte erspart.

Den Schaum abschöpfen, der auf der Oberfläche gebildet wird, sonst wird die Marmelade wolkig. Zunächst 15 Minuten auf starke „Flamme“ kochen lassen. Ein Esslöffel der Marmelade auf einen Teller geben und den Teller ein paar Minuten in den Kühlschrank legen. Wenn sich eine Haut bildet, ist die Marmelade gekocht, ansonsten alle 10 Minuten prüfen, bis es soweit ist.

Hier habe ich den Fehler gemacht, die Hitze zu reduzieren weil mir die Spritzer beim Kochen suspekt hoch waren (mir ist mal als Kind kochende Milch ins Gesicht gesprungen, seitdem habe ich „Respekt“ vor dem Kochprozess). Das Kochen, das bei Nigel Slater maximal 50 Minuten dauern sollte, erstreckte sich bei mir bis zu 1 Stunde 40 Minuten. Erst als ich die Hitze wieder erhöht habe, ging es auf einmal schnell, also denke ich, dass es nur mit der mangelnde Hitze zu tun hat.

Mit dem Schöpflöffel und den Trichter in die sterilisierten Gläser geben. Gut verschließen und die Gläser umdrehen, bis die Marmelade gekühlt ist.


Was man noch wissen kann:
Gleich nachdem ich fertig war habe ich den ersten Glas einem Härtetest unterzogen: Ich habe die Marmelade als Belag auf Crêpes, von einem Engländer probieren lassen, der mit dem Endprodukt sehr zufrieden zu sein schien. (Ich weiß, Engländer sind immer sehr höflich, aber überzeugt hat mich eigentlich die Menge, die er auf mehrere Crêpes hintereinander benutzt hat.)
Es ist zwar ziemlich viel Arbeit, aber ich finde, es lohnt sich allemal! Es gibt anscheinend sehr viel unterschiedliche Rezepte, das sagt selbst Nigel Slater in der Einführung dieses Rezept. Eine andere Version mit Schale gibt es hier. Ohne Schale da. (Meine Eltern machen eine Version, die Ähnlichkeiten mit letzterem hat, denn sie können geschälte Orangen von einem lokalen Konditor beziehen, der nur die Schale für seine Orangettes braucht. Praktisch, wenn man eh keine Schale mag!)

Salat Olpe

Dieser Salat scheint im deutschen Netz nicht gerade unbekannt zu sein (über 1000 Treffer!), aber kein Wunder: Er kommt in einem Kochbuch von Biolek vor. Ich habe ihn (den Salat, nicht Biolek, deren Kochsendung die Einzige ist, die ich je mehr als ein paar Male gesehen habe, weil sie nicht hektisch ist) eben bei einer Freundin kennengelernt, und bereits zweimal wieder gemacht. Fenchel und Orange mag ich schon, und in Kombination mit Paprika, Grapefruit und Granatapfel ist es noch schmackhafter und erfrischender, und außerdem wirklich „was für die Augen“. Die erste Version, die ich gegessen habe war leicht abgeändert (kein Apfel, gelber Grapefruit, andere Öl- und Essigsorten), und ich habe ihn entsprechend einmal reproduziert, da eine der 1,6 Millionen deutschen Apfelallergikern am Tisch sass. Erst danach habe ich die Version mit Rosa Grapefruit und Apfel gemacht (und fotografiert), und ich finde sie im Vergleich zu süss. Entsprechend notiere ich hierunter meine bevorzugte Version.


Salat Olpe (abgeändert nach einem Rezept von Alfred Biolek)

1 große Fenchelknolle
1 gelbes Grapefruit (im Original Rosa, mir zu süss)
1 Orange
1 Granatapfel
1 roter Paprika
(im Original 1 Apfel, mir zu süss)
Olivenöl (im Original Walnussöl)
Weißweinessig (im Original Himbeeressig)
Salz
Weißer Pfeffer


Orange und Grapefruit filetieren. Fenchel und Paprika sehr dünn schneiden. Kerne aus dem Granatapfel mit einer der da oder dort beschriebenen Methoden sammeln.
Anrichten, und mit Öl, Essig, Salz und Pfeffer beträufeln bzw. würzen.

Was man noch wissen kann:
Dieser Salat kann eventuell für - ahem - klärende (und für mich exotische - da für meine Generation, zumindest dachte ich, eher untypisch) Gespräche sorgen:
Er (nach skeptischem Anblick des Salats unter anderen Salate/Gerichte): Orange... Ich weiß schon, ich mag sowas nicht. Was ist drin?
[Zutatenliste wird mitgeteilt.]
Er: Orange? Ich weiß schon, ich werde es nicht mögen.
20 Minuten später...
Er: Ich probiere doch ein bißchen.
Er (ziemlich begeistert): Es schmeckt gut! [Vorname der Ehefrau, anklagend], warum machst Du denn sowas nie?
[Ehefrau, ziemlich wütend]: Weil Du so was nie probieren willst!

Marmitako nach J. M. Arzak

Unter meinen guten Vorsätze für 2011, gibt es den, zeitnah zu bloggen, was ich blogwürdig finde. Daran habe ich mich 2010 wirklich nicht gehalten. Ein Beispiel: Ich habe letztes Jahr Anfang Mai ein Marmitako vorbereitet. Kurz darauf hat mir eine spanische Freundin ein anderes Rezept geschickt, die sie eben getestet hatte. Am 18. Mai habe ich es nachgekocht... und bis heute nicht darüber berichtet, obwohl das Rezept mir enorm gut gefallen hat, und so weit ich weiß in deutsch gar nicht zu finden ist.

Das Rezept stammt aus diesem Buch:


Das Buch selbst ist voller originale, kreative Rezepte und hat noch zu jedem Rezept zwei Rubriken, die ich sehr hilfreich finde:
„Si no encuentras“: Dort werden Alternativzutaten vorgeschlagen, sollte man das eine oder andere Zutaten nicht finden;
„Mis trucos“: Meine Tipps; es können technische Tricks sein, so wie Ideen, um das Rezept zu variieren.
Die Rezepte sind schon anspruchsvoll, aber machbar, und ich verstehe ehrlich nicht, warum das Buch noch nicht übersetzt wurde. Ich hatte nicht den Eindruck, die Rezepte schon zigmal woanders gesehen zu haben, wie es mir manchmal vorkommt.

Das eigentliche Marmitako Rezept, das ich benutzt habe, ist ein „Marmitako de chipirones y chalotas confitadas“, also Marmitako von Tintenfisch mit glasierten Schalotten. Unter den Tipps wird aber erklärt, wie man das Rezept für ein klassisches Marmitako, als mit Thunfisch, benutzen kann.


Marmitako von Tunfisch mit glasierten Schalotten (nach J.M. Arzak)
(Mehrere Stunden im Voraus anfangen! Die Kochzeiten sind lang, damit sich der Geschmack der Gemüse konzentriert.)

Für 4 Personen

Für das Marmitako:
500 gr Thunfisch
600 gr Kartoffeln
3 grüne Paprika
1 Zwiebel
5 Paprika choriceros (eine besondere getrocknete, süsse Paprikasorte; ich habe teils durch eine andere Sorte ersetzt, teils durch pimentón de la Vera )
2 rote Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
¾ L. Fischbrühe (alternativ: Wasser)
2 EL Tomatensauce
ca. 2 dl. Olivenöl
gehackte Petersilie und Salz

Für die glasierten Schalotten (habe ich nicht gemacht):
8 Schalotten (die echten, kleinen, sind damit gemeint)
1 dl. Olivenöl
1 Teelöffel Honig
3 EL Wasser

Marmitako
Legen Sie die Paprika Choriceros im warmen Wasser für eine Stunde. Danach entfernen Sie das Fruchtfleisch mit einem Messer und stellen sie es zur Seite.
Ein Topf 1 dl Öl mit dem Knoblauch und die fein gehackte rote Zwiebel erhitzen. Lassen sie es sanft zwei Stunden kochen, bis das Gemüse sich aufgelöst hat. Dann fügen Sie das Fruchtfleisch der Paprika-Choriceros (und pimentón de la Vera) und die Tomatensauce. Kochen Sie langsam für 15 minuten und dann durch eine Passiersieb passieren.

In einem anderen Topf das restliche Öl. Feingehackte Zwiebel und grüner Paprika (auch fein geschnitten) dazu geben und auf niedriger Flamme Farbe nehmen lassen. Dann die gewürfelten Kartoffeln dazu fügen und fünf Minuten lang dünsten. Dann gießen Sie die Fischbrühe bis die Kartoffeln bedeckt sind, sowie ca. 8 Esslöffel Choricero-Sauce. Köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Mischen Sie sie mit der vorherigen Gericht und nur kurz aufkochen. Abschmecken.

Glasierten Schalotten
Legen Sie in einem kalten Topf die geschälten Schalotten mit dem Öl. Über niedriger Flamme, mindestens eine halbe Stunde oder etwas mehr. Sie sollten sehr weich, aber noch ganz sein. In einem anderen Topf den Honig mit dem Wasser erhitzen. Die Schalotten in dieser Flüssigkeit tunken und anschließend in Öl anbraten.

Zum Schluss
Den gewürfelten Thunfisch in das sehr heiße Marmitako geben. Herd ausmachen, und durch die Resthitze kochen („ziehen“) lassen.


In tiefen Tellern anrichten, mit der Petersilie betreuen und die glasierten Schalotten darauf stellen. Sofort servieren.

Was man noch wissen kann:
Die Zwiebel/Paprika Choriceros Mischung ist so lecker, dass man sie fast auf Brot essen könnte, bevor man mit dem Rezept weiter macht. Ich - und bin dabei nicht die einzige - würde fast empfehlen, mehr davon zu machen...

Tarte aux champignons

Zuerst ein Frohes Neues Jahr an allen, die hier vorbei schauen. Ich wünsche Euch für 2011 viele schöne kulinarische Erlebnisse.

Ihr wisst schon, in der ganzen Welt gilt es als ausgemachte Wahrheit, dass eine Französin unbedingt wissen muss, wie man eine Quiche oder Tarte bäckt. Diese Annahme hat mich gestern dazu geführt, zwei Quiches auf Bestellung zu machen. Zutaten sollten Spinat und Champignons sein, sowie Tunfisch. Nach Durchblättern einiger Bücher wurden es Champignons einerseits, und Lachs mit Spinat für die zweite.
Folgendes Rezept habe ich ausgesucht, weil sich die Füllung unterhalb der Pilze sehr interessant anhörte, und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist allerdings ursprünglich eine Tarte aux Cèpes, also Steinpilz-Tarte, die ich sobald es wieder frische Steinpilze gibt, unbedingt auch backen werde. Mit einer Änderung – ich habe drei geschlagene Eier zu den Champignons gegeben – hat die gestrige Champignon-Version schon richtig gut geschmeckt.


Tarte aux champignons (abgeändert nach der „Tarte aux cèpes“ von Stéphane Reynaud aus dem richtig schönen Buch „Ripailles“ oder in deutsch „Vive la France! Das Kochbuch: 299 Rezepte aus dem Schlemmerparadies“)

Für 6 Pers.
1 Kreis Blätterteig
600g braune Champignons (oder 8 Steinpilze, auch 600g)
100g geräucherte Entenbrust
100g Walnusskerne
1 Schalotte, kleingehackt
15cl flüssige Sahne (ich habe aber Crème Fraiche genommen, auch wenn man sie in Deutschland nicht in flüssiger Version findet)
3 geschlagene Eier (nicht in der Originalversion mit Steinpilze)
2 Scheiben Toastbrot
50g Butter
2 Knoblauchzehe
Olivenöl
Salz

Die Schalotte in kleine Stücke in Olivenöl anbraten. Mit der Entenbrust, die Walmüsse, die Sahne und den Toastbrot mixen.
Die Champignons putzen und in Scheiben schneiden.
Die Form mit dem Blätterteig auslegen, mit der Füllung bedecken und die Pilze darauf legen. 15 Minuten kalt stellen.


In der Zwischenzeit, den gehackten Knoblauch in der Butter anbraten, bis es Haselnussfarben ist. Backofen auf 200°C vorheizen. Die gesalzene, geschlagene Eier in die Tarte geben, und mit der Knoblauchbutter bepinseln. Die Tarte in den Backofen schieben, und 20 Minuten (bei mehr ein bisschen mehr) backen.


Was man noch wissen kann:
Beim nächsten Mal werde ich die Champignons in der Knoblauchbutter anbraten. Dadurch werden sie auch ein bisschen von ihrem Wasser verlieren.
Es schmeckt kalt am nächsten Tag auch sehr gut. Die Chancen stehen aber ziemlich hoch, dass es am nächsten Tag kaum oder nichts übrig bleiben wird.