Poulet à la broche

Backöfen mit Spießeinrichtung sind in Deutschland rar, zumindest in der für normal-sterblichen Preisklasse: Auf jeden Fall habe ich noch nie eins im Geschäft gesehen... Die Tatsache, dass ich jetzt im Besitz eines solchen Backofens bin (aus Frankreich), macht also meine kleine Küche auf einmal so spannend wie ein Programmkino, und mich macht es glücklich, denn ich esse nicht viel Fleisch, aber wenn überhaupt am besten Bio und bei Geflügel „freigelaufen“, so dass ich seit Jahren keine Brathähnchen „am Spieß“ (à la broche) gegessen habe. Die Durststrecke ist aber geendet, und Freunden freuen sich mit mir zusammen.
Nach Rezepte habe ich natürlich im Internet gesucht, und bin zunächst auf mehrere Quellen gestoßen, darunter bei Estelle von Le Hamburger et le Croissant, die auf ein Rezept von Thomas Keller aus seinem „Bouchon“ Buch hinweisen. Obwohl ich das Rezept schnell gelesen habe, und deswegen ein paar Details sofort vergessen oder geändert habe, war der Ergebnis wirklich hoch zufriedenstellend.

Poulet à la broche

Für ca. 4 Pers.
1 Huhn, der ein möglichst glückliches, gesundes Leben geführt hat, ca. 1,7kg
Salz, Pfeffer
Optional: Paprikapulver, Thymian, Zitrone

In dem Originalrezept steht, dass der Huhn unter laufenden Wasser gewaschen werden muss, und mit viel Küchenpapier getrocknet. Die meisten französische Blogger waren sich aber einig, dass es typisch amerikanischer Hygiene-Wahn ist: Ich habe auch Wasser und Papier gespart, und nichts gewaschen. Ich hoffe, ich schockiere hier niemanden, aber ich denke auch, dass frisches Huhn und eine Stunde Bratzeit über 200°C schon alles töten wird, was an Keime zu töten ist.
Den Backofen habe ich auf Grillstufe kurz vorheizen lassen, auf 230°C, während ich im Innen der Poularde eine Viertelzitrone und Thymian versteckt habe, und das Außen mit Salz und Paprika, sowie Zitrone großzügig gerieben habe. Die hintere Öffnung des Huhns habe ich mit zwei Holzstäbchen geschlossen, damit die Zitrone nicht heraus rutscht. Eine Schnur habe ich nicht gefunden: Es soll aber besser sein, die Schenkel zusammen zu schnüren, da die Brust (noch) feuchter bleiben soll.
Die so präparierte Poularde wurde auf dem Spieß montiert, und im Backofen 1 Stunde bei 230°C gebraten.



video


Anschließend ist sie 10 Minuten lang im halb-offenen Ofen geblieben: es soll die Haut knuspriger machen. Serviert habe ich sie mit Bratkartoffeln und dünne, grüne Bohnen.


Was mir aufgefallen ist:
Wo ich einfach faul war, war mit den restlichen dünnen Daunenansätze: ich hätte sie einfach mit einem Feuerzeug vernichten sollen...
Zu meiner Überraschung blieb am Ende vom Zitronenviertel nur die Rinde.
Ein paar andere Rezepte habe ich mittlerweile gefunden, die ich demnächst testen werde, solang es in meiner Umgebung Geflügelliebhaber gibt.

Kommentare:

bolliskitchen hat gesagt…

wusste gar nicht, dass es sowas in D. nicht gibt, meine Mutter hat einen Herd von Miele, der kann das ( nur weiss meine Mutter nicht, wie ihr Ofen funktioniert...).

Gibt's bei uns immer so auf dem Land.

Véronique hat gesagt…

Ich habe eben bei miele.de nach "Drehspiess" gesucht, habe ein einziges Modell gefunden, das über 5.000 EUR kostet...

kulinaria katastrophalia hat gesagt…

Dreht sich der Spieß dann oder ist das nur eine Einsteckvorrichtung?

Véronique hat gesagt…

Der Spieß dreht sich, sonst wäre es kaum interessant. Das siehst Du auch, wenn Du den kurzen Film startest.

kulinaria katastrophalia hat gesagt…

Manchmal gibt es zuviele Tomaten auf den Augen ;-) Nach Ansicht des Filmchens wirkt alles noch viel praktischer! Erstaunlich, dass sich das hier noch nicht durchgestzt hat.

Franz hat gesagt…

Ich erinnere mich, dass meine Mutter in den 60er Jahren einen AEG-Herd besaß, zu dem es auch einen Drehspieß gab: das Ding hatte ein Federwerk eingebaut, das man aufziehen musste. Der beladene Spieß wurde einfach zwischen die Backblechgitter gesteckt und drehte dann etwa 20 min. vor sich hin. Wiederaufziehen war nicht so einfach, funktionierte aber irgendwie.
Sowas gibt es heute bestimmt auch noch, zumindest bei Händlern für Kücherutensilien auf Märkten in Italien oder Frankreich.

Kirsten hat gesagt…

Der Backofen meiner Tante kann alles, hat alles und macht alles. Da ist die Drehspießeinrichtung nur ein kleines Detail. Ich bin überzeugt, der antwortet sogar, wenn man ihn anspricht. :-))
Das nur am Rande... Ich finde Dein Rezept hört sich klasse an!

Véronique hat gesagt…

@Franz: mechanische, energiesparende Lösungen gefallen mir sehr, aber sie sind immer seltener. Vielleicht könnte ein Uhrmacher so was nachbauen und über Manufaktum vertreiben. Das könnte ein Renner werden. :-)

@Kirsten: Meins kann nicht so viel, aber für mich genug, ist einfach zu bedienen, wenn auch elektronisch (aber mit Drehknöpfe :-) ), und piepst nur manchmal. Kann Deine Tante den Ofen bedienen, oder gibt es zuerst ein Studium, das man abschliessen muss. ;-)

Anonym hat gesagt…

Bin stolzer Besitzer eines Miele Diagonal-Drehspiess-Backofens. Leider hat Miele das in der Bezahlbar-Preisklasse mittlerweile wohl wieder aus dem Programm genommen. Die früher üblichen Parallel-Drehspiesse für Backöfen haben sich m.E. aufgrund geringer Kapazität (nur 1 Hähnchen) und mangelhafter Heizleistung der Backöfen (kamen nie an das Ergebnis eines speziellen Drehspiessgrills heran) nicht dauerhaft auf dem Markt halten können. Bei meinem Miele reicht das Grillergebnis trotz 2er Heizwendel nur ansatzweise an das des Drehspiessgrills heran. Auf den Diagonalspiess passen mit ach und krach 2 mittlere Hähnchen. Die Technik des Diagonalspiesses ist recht störanfällig und die "Sauerei" im Backofen trotz Katalysator relativ groß. Für normale Backöfen habe ich schon irgendwo Grillmotoren zum nachrüsten gesehen. Damit bleibt aber für das Grillgut noch weniger Platz als bei Festeinbau. Für Freunde des regelmäßigen Grillhähnchengenusses empfehle ich die Anschaffung eines leistungsfähigen Tischgrills mit Drehspieß (leider ist da die Auswahl an qualitativ hochwertigen Geräten wie die Moulinex oder Rowenta aus den 80er Jahren sehr beschränkt). Den kann man zur Geruchsvermeidung auch nach draußen stellen....

Silke hat gesagt…

"...habe ein einziges Modell gefunden, das über 5.000 EUR kostet..."


Wow! über 5000 EUR!? No comment...