Goya Chanpuru, oder das Gericht, womit Hundertjährige gemacht werden, vielleicht

Heute bin ich zu der Nachricht aufgewacht, dass Manoel de Oliveira, bekannter portugiesischer Filmregisseur*, eben hundert Jahre alt geworden war, und zum Feier des Tages angefangen hatte, seinen 48. Film zu drehen. Kurz danach habe ich festgestellt, dass das geeistes Gurken-Soufflé Rezept, dass ich vor wenigen Monate zum Gartenblog-Event gepostet hatte, merkwürdigerweise auf einmal größere Beliebtheit genießt, bis ich verstanden habe, dass der Begriff „Goya“, eine bittere Gurke aus Okinawa, die ich damals gesucht habe, der Grund dafür war, und nicht die Suche nach winterlicher Erfrischung. So ein Zufall…

Denn: Die Okinawa Diät ist seit Jahren in manchen Ländern ein großes Thema: Frankreich ist da ganz vorne, wenn ich an die Anzahl der Bücher denke, die dazu geschrieben werden, oder auf dem in letzter Minute noch „régime Okinawa“ geklebt wird, in der Hoffnung, irgendein japanisches Kochbuch besser verkaufen zu können. Der Grund? Der Insel produziert sehr viel Hundertjährige (aber noch keine Berühmten), was besonders auf die leichte Kost zurückzuführen ist, die dort gegessen wird, und insbesondere der regelmäßige Konsum vom sehr bitteren Goya. Erst vor kurzem habe ich endlich letzteres entdeckt, und zwar in der Tiefkühltruhe eines chinesischen Supermarkts. Aus dem Chinesischen übersetzt heißt es bittere Melone.

Ein klassisches Gericht, das die Okinawa Einwohner mit Goya kochen, ist Goya Chanpuru. Ich habe das Rezept da gefunden, und kaum etwas geändert.

Goya Chanpuru (nach einem Rezept von about.com, leicht geändert)

Für 4 kleine Portionen, wenn andere Gerichte serviert werden, oder zwei Portionen (mit Reis)

1 Goya Gurke (auch tiefgefroren)
1 Block Tofu, fest
80g dünn geschnittenes Schweinefleisch (Shabu-Shabu Fleisch, wenn Ihr Metzger das kennt)

1-2 EL Soya Sauce

1-2 EL Sake (Reiswein)
½ TL Salz
2 EL neutrales Öl
2 Eier

Die Gurke sehr gründlich waschen, und halbieren. Mit Hilfe eines Löffels die Samen entfernen. Dünn schneiden und salzen. Einige Minuten ruhen lassen, und anschließend die Scheiben waschen und drücken, um von so viel Wasser wie möglich zu befreien.

Der Tofu zwischen zwei flache Teller oder zwei Schneidebretter stellen, um vom Flüssigkeit zu befreien.

Ein Esslöffel Öl in einer Pfanne erhitzen. Das Schweinefleisch, in mundgerechte Stücke geschnitten, darin sautieren. Salzen. Tofuwürfel dazu geben, und weiter sautieren, bis es ganz leicht Farbe nimmt. In einem Schüssel zur Seite stellen.

Den zweiten EL Öl in derselben Pfanne erhitzen, und die Gurken darin scharf anbraten. Fleisch und Tofu dazu geben, und kurz weiter kochen. Soy Sauce und Sake dazu geben, dann zwei geschlagene Eier, unter ständigem Rühren. Wenn die Eiermasse gar ist, aber noch nicht trocken, vom Herd nehmen, und servieren, eventuell auf Reis.

Was man noch wissen kann:
Sehr bitter ist die Gurke schon, und man ahnt beim Essen, dass sie gesund ist… aber das Gericht schmeckt gar nicht schlecht, anders als der Kommentator vom Originalrezept meint. Für meinen Geschmack sollen alle Zutaten unbedingt leicht angebraten werden, und Sake und Soya Sauce sollen schon nach Geschmack hinzugefügt werden. Ich würde es nicht als Hauptgericht bei Nichtahnenden servieren, aber als kleines Nebengericht bei Neugierigen schon, und ich werde es bestimmt für mich wieder kochen.
* Manoel de Oliveiras Filme gibt es in Deutschland nicht auf DVD, wie ich später festgestellt habe, und so musste ich mein Hundertjähriges Konzeptabend kurzfristig abändern, aber zum Glück gibt es neulich mehr oder weniger aktive Hundertjährige (und über) wie Sand am Meer, und so wurde das Gericht mit zum Konzept passendem Musik gegessen, ein bisschen schräg, aber durchaus genießbar. Es ist mir nicht bekannt, ob diese Herren - Frauen gibt es anscheinend nicht, leider hat diese den Termin platzen lassen - regelmä
ßig Goya essen. Ich spüre aber ein neues Forschungsfeld, und demnächst eine Reihe von Büchern zu den "régimes artistico-intellectuels".

Kommentare:

Bolli hat gesagt…

ich habe davon noch nie was gehört...und Du sagst, dass sei hier ganz bekannt? Hhhmm, nun, ich habe auch noch nie ein régime gemacht. Vielleicht liegt's daran.

Véronique hat gesagt…

Du brauchst nur zu nächste FNAC gehen, und schon wirst Du mehrere Bücher dazu finden, meistens auf den Tischen prominent aufgestellt, und keine Frauenzeitschrift wird es in den letzten Jahren ausgelassen haben, darüber zu berichten. Ansonsten bei Google, wo "régime Okinawa" 38000 Treffer ergibt, (und noch letzte Woche habe ich auf CNN zufällig ein Dokumentar zum Thema gesehen.)
Im Biosupermarkt hier in D gibt es "Öl nach Okinawa-Prinzip", was natürlich völliger Quatsch ist, aber bei €25 pro halbe Liter, verstehe ich auch, dass man mit wenig Fett kocht...

Nysa hat gesagt…

mal wieder was dazu gelernt ;-) habe noch nie, als portugiesin, einen film von hr. oliveira gesehen... hat sich noch nie ergeben. der ist wahrscheinlich durch den portweingenuss bereits so alt geworden ;-)

Julia hat gesagt…

hehe, ja, Goya Champuru ist lecker, wenn man über den ersten "Bitterschreck" hinweg ist :)
Ich habe mal ein vegetarisches Rezept dafür gepostet: http://vegetarianjapan.blogspot.com/2007/07/goya.html

Véronique hat gesagt…

@Nysa: So was! Und Du gibst es öffentlich zu? ;-)

@Julia: Ich werde ein Blick auf Dein Rezept werfen. Japanische Freundinnen haben mir aber seitdem gesagt, dass Goya auf Okinawa bitterer ist, als was man hier bekommt...

Véronique hat gesagt…

@ mich selbst, zu "Okinawa Öl": €35,90 / halbe Liter ist der Preis, nicht €25...

kulinaria katastrophalia hat gesagt…

Interessantes Rezept, wenngleich auch noch nie bemerkt. Aber wozu auf die Gurke zurückgreifen? - es ist doch bekannt, dass nur gutes Olivenöl für ein langes Leben sorgt ;-)