Sardinade aux câpres

Blog-Event XXXVII - Sentimental journey - Essen angestaubt

Jutta, von Schnuppschnüss Ihr Manzfred, lädt im neuesten Kochblogevent ein, in der weiten Ferne zurückliegende Erinnerungen aufzusuchen, um angestaubtes Essen wieder mal zu probieren. Das klingt schon interessant. Ein bisschen weiter sagt sie noch: „Vielleicht probiert ihr Verhasstes aus, um zu entdecken, dass es plötzlich schmeckt?“ Das klingt nach einer Herausforderung (oder eine Provokation). Ich bin in der richtigen Stimmung dazu, und muss nicht mal lange überlegen, bevor ich entscheide, was ich vorbereiten könnte: Dosensardinen.

Eine sehr unangenehme Erinnerung habe ich, in der Sardinen aus der Dose die Hauptrolle haben. Sardinen mochte ich als Kind nicht. Ehrlich gesagt, es riecht schon sehr nach... Fisch, oder? Ich vermeide sie heute noch, was nicht an meiner Familie zurückzuführen ist: Meine Mutter isst sie sehr gerne. Ich habe sie noch vor nicht allzu lang am Küchentisch mit meinem jüngeren Bruder gesehen, um 18 Uhr – also ein paar Stunden vor dem eigentlichen Abendessen, mit einer offenen Dose Sardinen und Baguette zwischen den Beiden, und Gesichter, die volle Zufriedenheit ausstrahlten. Vielleicht hätte ich auch heute damit kein Problem, hätte nicht unsere Tagesmutter, als ich sechs war, eines Tages darauf bestand, dass ich Dosensardinen auf Brot esse, obwohl ich versucht hatte, ihr zu erklären, dass ich das nicht mochte (und ein paar Ditzend andere Dinge auch), und dass meine Mutter es in diesem Fall in Ordnung fand, wenn ich keine esse. Die ansonsten sehr nette Tagesmutter blieb aber bei ihrer Idee, und um mir zu „helfen“, vermischte sie der verhasste Fisch mit ziemlich viel Butter, damit es runterrutschen kann. Für mich der Horror. Noch heute gibt es bei mir Magenaufruhr, wenn ich nur daran denke. Und den gab es auch heute früh, als ich noch vor dem Frühstück – ich mag wirklich Herausforderungen – die Sardinen für folgendes Rezept entgrätet habe. Diese Sardinade -woher der Name kommt weiß ich nicht - ist eine Paste aus Sardinen, Kapern, schwarze Oliven und getrocknete Tomaten, wie ich sie lieber vor 33 Jahre bei der Tagesmutter vorgefunden hätte.

Sardinade aux câpres (nach dem Rezept von „Cannelle et Cacao“)

Für ein kleines Glas
1 Dose Sardinen in Öl
2 Stück getrocknete, eingelegte Tomaten
50g Kapern
10 schwarze Oliven, entkernt

Sardinen entgräten. Mit den anderen Zutaten mit dem Mixer zerkleinern, und kalt stellen. Kann auf Brot, auf Pasta (mit extra Öl, und Koriandergrün), in Onigiri-Bällchen vielleicht, bestimmt auch auf warme frittierte oder gegrillte Auberginenscheiben und in vielen anderen Varianten gegessen werden.

Was man noch wissen sollte:

Danke an Jutta, die diese Auseinandersetzung ausgelöst hast. Ich bin zwar nicht wirklich zu Dosensardinenfan bekehrt, aber ich halte es nicht mehr für unmöglich, dass ich es in weiteren 33 Jahre sein könnte.
Nein, ihr träumt nicht, es gibt Jahrgangdosensardinen. Diese Dose habe ich in Düsseldorf bei Münstermann gefunden.
Zum Thema Fisch und Überfischung gibt es diese Woche bei Chocolate & Zucchini einen sehr guten Artikel, in englisch, und in französisch.

Kommentare:

einfachkoestlich.com hat gesagt…

Als hoffnungslos sentimentaler Genießer bekenne ich, dass nicht nur Sardinen-Crostini, sondern auch ausgebackene Salbeiblätter (Mäuschen), grellroter Lachsersatz oder z.B. auch Soleier immer wieder auf meinem Tisch zu finden sind. Und gerade solche "Häppchen" (so hießen die damals) sind besonders auf Feiern bei meinen Gästen äußerst beliebt.

lamiacucina hat gesagt…

mit den vielen Kapern kann das doch nur gut schmecken, auch wenn man Sardinen nicht besonders mag.

Véronique hat gesagt…

@Franz/einfachkoestlich: Lachsersatz? Ist Lachs nicht schon häufig genug Ersatz seines Selbstes? ;-) Für so was habe ich trotzdem volles Verständnis. Mäuschen muss ich versuchen: gibt's ein bestimmtes Rezept dafür?
@Robert/lamiacucina: Ich sehe, das nächste Mal muss ich mehr anstrengen, um wirklich zu beeindrucken. ;-)

Tabletalks hat gesagt…

Ich mag Sardinen. Auch wenn's für manch einen unverständlich ist: ich esse sie gerne morgens auf Toast. Und Kapern liebe ich auch. Somit werde ich die "Sardinade aux capres" gerne mal probieren.

Hande hat gesagt…

Kommt es nicht von "tapenade"? Sehr mutig, Vero, was verhasstes zu probieren. Ich habe vor zwei Monaten versucht, mich mit dem einzigen, mir seit Kindheitstagen verhassten, Gemüse zu versöhnen (Saubohnen, in/mit der Hülle). Die sind ja hier auch besonders berühmt, also kaufte ich auf dem Bio-Markt ein Kilo. Als ich zu Hause ankam und die Papiertüte aufriss um sie angucken und mich inspirieren zu lassen habe ich eine Nase voll von deren Geruch bekommen und mir kam sofort der Magen hoch. Ich konnte sie noch nicht mal für Theo kochen, ich konnte den Geruch, genauso wie damals vor 30 Jahren, gehasst. Die kamen in den Müll.

ursula hat gesagt…

Ich liebe Kapern und sie gehen mir zu hause niemals aus, Sardinen werde ich kaufen und das Rezept ausprobieren.

Schnuppschnuess hat gesagt…

Chère Véronique,
merci beaucoup für Deinen heroischen Beitrag zum Event. Ich muss schon sagen, das nenne ich Einsatz ;-)
Wenn ich mir überlege, wie die Sardinen in der Dose daherkommen, die ich bei Billigheimers kaufe, dann habe ich Tränen in den Augen, wenn ich Deine sehe. So ein schöner Fisch! Und dann auch noch so toll zubereitet. Ich werde auf jeden Fall Deine Version nachmachen und freue mich schon darauf. Aber Sardinen mit Butter zu vermischen... dass man auf sowas kommen kann, ts...

Heidi hat gesagt…

Sardinen, eine Lieblings-Kindheitserinnerung. Ich hab es geliebt wenn meine Mutter sie uns auf Schwarzbrot zu essen brachte. Dein Rezept muss ich probieren.