Tsukemono


Tsukemono, das ist das eingelegte Gemüse, das Japaner gerne als Beilage zum Essen oder als Häppchen zum Bier servieren. Ein bekanntes Beispiel ist Gari, das zu Sushi serviert wird. Aber bis vor kurzem war mir nicht eingefallen, dass man unendlich viele Sorten selber herstellen kann, mit minimalem Aufwand und für ziemlich großen Effekt.
Die Eingebung war nicht ganz spontan, sondern sie ist auf einer japanischen Freundin zurückzuführen, die während sie weiter gekocht hat, einen einzigen in dünnen Scheiben geschnittenen Navet samt grob gehackte Blätter in einen Schälchen auf dem Tisch gestellt hat, das sie übernacht in einer Gefriertüte im Kühlschrank mit Salz und einer gebrochenen, getrockneten Chilischote, ziehen lassen hatte. Das war frisch, würzig, und hat mich direkt süchtig gemacht. Leider habe ich in den Tagen danach schon keine Navets mehr gesehen, also habe ich gewartet, bis der entsprechende Kandidat sich beim Gemüsehändler gezeigt hat: ein langes, rosa Radieschen aus Deutschland, wie ich es noch nie gesehen hatte. Fürs Erste habe ich nicht viel gewagt, aber es wurde trotzdem gut:

Tsukemono von Radieschen
1 Radieschen
Salz
Pulver von Piment d’Espelette*
Radieschen putzen, gute Blätter aufbewahren und grob hacken (bei mir gab es nur ein Blatt!), Radieschen mit der Mandoline in Scheiben schneiden. Scheiben und gehackte Blätter mit Salz und Piment d’Espelette in eine Gefriertüte geben: man kann de Zutaten durch die Tüte leicht reiben und vermischen. Wenigstens einige Stunden ziehen lassen und über die nächsten Paar Tage nach und nach essen.

Beim zweiten Versuch bin ich schon kreativer geworden:
Tsukemono von Kohlrabi
1 Stück Kohlrabi
1 paar Scheiben Zitrone
1 Prise Ingwerpulver
Salz
Einige Tage später hatte ich auf einmal die Hälfte eines Kohlrabis im Kühlschrank, der nach Einsatz und Gesellschaft rief. Ein paar Scheiben, inklusiv Schale, von einer Bio-Zitrone, eine Prise gutes Ingwerpulvers sowie wieder Salz kamen zu den in Scheiben geschnittenen Kohlrabi in eine Tüte hinzu, und wurden nach einige Stunden bereits komplett aufgegessen. Auch wenn das Ergebnis nicht so fotogen wie beim Radieschen war, ist es geschmacklich wirklich gut gelungen dank der Mischung aus Säure, Schärfe, Bitterkeit, salzigem und leicht süßem Geschmack.
Eigentlich hatte ich vor, dieses Rezept beim "Some like it hot" Blog-Event anzumelden, aber unvermeidbaren Verpflichtungen haben mich davon abgehalten. Ein Blick, oder mehr, auf die 42 geposteten Rezepte lohnt sich auf jedem Fall.
Ich glaube, ich könnte noch eine Zeit lang diesen Blog mit weiteren Variationen füllen, aber ich werde stark sein, es sei denn, ich habe den Eindruck eine unglaubliche Kreation geschaffen zu haben. Aber ich hoffe, anderen werden auf dem Geschmack kommen.
* Schärferer Chili wäre passender gewesen. Ich finde nach wirklich viele Versuche, dass Piment d’Espelette am Besten mit Eiern zur Geltung kommt, und ansonsten leicht hinter anderen Zutaten verschwindet.
** Ich finde, dass man Tsukemono am besten mit Stäbchen isst, also kommt jetzt bei mir für so was zusätzlich zu den westlichen Besteck Stäbchen auf dem Tisch. Aber nicht von der Wegwerfsorte.
*** Vorsicht: Unter Tsukemono fallen auch abenteuerliche Produkte, die nicht jedermanns Sachen sind.

Kommentare:

rosa hat gesagt…

Das klingt super, kann ich mir sehr gut vorstellen! Quasi eine schnelle, frische Pickle-Version.

kulinaria katastrophalia hat gesagt…

Woh - was für ein Riesenradieschen. Wie lange genau halten denn die eingelgten Scheibchen?

Véronique hat gesagt…

@Rosa: Genau das ist es, schnelle, frische Pickles. Manche Japaner essen schon mal nur Reis und Tsukemono wenn es schnell oder besonders billig sein muss.
@kulinaria katastrophalia: Wie lange genau sie halten kann ich wirklich nicht sagen. Meine Freunden meinen 2-3 Tage. Es gibt auch Geräte und Methoden, mit den sich länger haltbaren Sorten machen lassen, aber das ist mühsamer.

Paulette hat gesagt…

Miam! depuis le temps que je rêve de tsukemono...Je vais essayer cette recette, vielen lieben dank!