Fromages de chèvre

Letzte Woche habe ich einige Tage in Frankreich verbracht, zum ersten Mal in diesem Jahr. Zuerst war ich für wenige Stunden in Lyon, und dann ging es weiter südlich, in die Ardèche, um den Schatten und die Früchten des großen Kirschbaums meiner Eltern zu genießen, sowie die Menschen , die Landschaften, und das Essen.

Am ersten Abend waren wir in einem Restaurant, der lokale Produkte verarbeitet, aber nicht traditionell-rustikal, sondern mit der richtigen Dose Experimentierfreude und Modernität. Da dürfte aber die klassische Auswahl an kleinen Ziegenkäse der Region, Picodons genannt, wenn sie den AOC haben, nicht fehlen, in unterschiedlichen Reifegrad, von frisch bis steinhart, zart bis schockierend stark. Ich habe großzügig alle gekostet, und, nachdem ich der Gastgeberin mitgeteilt habe, dass ich beim letzten, und stärksten Stück, sogar ein bisschen husten musste, hat sie mir einen Teelöffel voller Sirop de Liège gegeben, um meine Gaumen vor dem Nachtisch wieder aufnahmefähig zu machen. Der Sirop de Liège ist in Frankreich, besonders in Südfrankreich, überhaupt nicht bekannt, und ich war amüsiert, gleich am ersten Tag etwas serviert zu bekommen, was ich in Deutschland kennengelernt habe. Übrigens: Der Sirup war gegen den Ziegenkäse sehr wirksam.

Obwohl ich jeden Tag von diesen Käsen gegessen habe, musste ich einige nach Deutschland mitbringen: Am letzten Tag meines Aufenthaltes habe ich auf diesem Markt einige gekauft, in fünf unterschiedlichen Reifestufen. Da ich in Deutschland ein bisschen anders esse, als in Frankreich, esse ich sie nicht nur nach der Hauptspeise, vor dem Nachtisch, sondern integriere ich sie in dem Essen:

Einen interessanten Versuch habe ich gemacht, mit der stärksten, den ich gekauft habe. Ich habe einen Stück auf meinen Spaghetti mit Zucchini gerieben. Es war stärker als Parmesan, hat mehr geduftet, und ich werde es wieder versuchen.

Ansonsten habe ich einen meiner Lieblingsgerichte vorbereitet, einen Salat mit warmen Ziegenkäse, in Frankreich übrigens eher, etwas dass man in Restaurants isst als zu Hause.

Salade au chèvre chaud

Für 1 Pers.:
1 Picodon oder ähnlicher Ziegenkäse, nicht sehr reif (innen schon hart, äußerlich noch weich)
Zwei Scheiben Baguette
Olivenöl
Grüne Salatblätter
Olivenöl, Rotweinessig, Salz und Pfeffer für den Salat


Den Salat putzen, auf einen Teller verteilen, und mit dem Dressing anrichten.
In einer heißen Pfanne mit Olivenöl das Brot sowie die halbierten Käse grillen, und wenden. Sobald das Brot goldbraun ist, und der Käse offensichtlich sehr heiß (wird goldbraun, und verflüssigt), den Käse auf das Brot anrichten, und auf den Salat stellen. Sofort servieren und essen.


Was man wissen sollte:
In Deutschland findet man den Picodon ab und zu, in Düsseldorf zum Beispiel am Carlsplatz "Chez Jean-Luc". Mit einem anderen Ziegenkäse wie der Crottin de Chavignol funktioniert das Rezept genauso gut.
Man kann Kräuter hinzufügen: Ich habe eine Käseseite mit frischem Salbei bedeckt, bevor ich sie in der Pfanne gegrillt habe.
Mit Honig schmeckt es auch: Ein kleiner Löffel Kastanienhonig – Kastanien sind auch eine Spezialität aus der Ardèche - gab es auf der anderen Käseseite.
Als Brot habe ich eine Bauernbaguette genommen. Baguettes könne in Deutschland sehr enttäuschend sein: Bei diesem Rezept darf es kein zu weiches Brot, ohne Struktur sein.

Kommentare:

Frank Bravo hat gesagt…

Was ist denn Sirop de Liége? Sirup aus Lüttich, das kann ich zwar übersetzen, nur was ist das für ein wunderlicher Extrakt? Hustensaft? Ich bitte um Aufklärung!

Véronique hat gesagt…

Es ist wie Apfelkraut, wird aber aus einer Mischung aus Äpfel, Birnen und Datteln hergestellt. Mehr findest Du da: http://www.sirop-de-liege.com/fabrication.asp?M=15&L=DE (in deutsch).

zorra hat gesagt…

Mmmh, der Salat sieht sehr lecker aus.