Beignets de fleurs d'acacia

Heute habe ich etwas gegessen, woran ich sehr häufig denke, aber seit 15 Jahre nicht mehr gegessen habe. Als ich noch in Frankreich wohnte, habe ich Akazienblütenkrapfen einmal im Jahr gegessen, während der sehr kurzen Blütezeit, und das war eine Delikatesse - Akazienblüten riechen und schmecken leicht nach Orangenblüten - worauf wir uns alle gefreut haben. Hier in Düsseldorf hat es ein bisschen gedauert, bis ich Akazienbäume entdeckt habe, und noch länger, bis ich mich – heute zum ersten mal – getraut habe, die Beignets in der Stadt aus Stadtblüten zu machen (aber wohl nicht von Bäume, die nah an einer Strasse gelegen sind).

(Die Knospen am letzten Sonntag, noch keine Blüte zu sehen)

Nachdem ich ganz vier kleine Blütentrauben gepflückt habe, habe ich noch meine Mutter angerufen, die zufällig auch dabei war, in Südfrankreich Akazienblütenbeignets zu machen. Als ich fragte, wie sie ihr Beignetteig macht, musste sie lachen: Heutzutage benutzt sie dafür eine Tempuramehlmischung. Die Beignets sind dadurch leichter und knuspriger. Und ich, in Düsseldorf, sehr nah am vielen japanischen Geschäfte, habe dann zu meiner Bibel für einfache französische Grundrezepte gegriffen, La cuisine facile de Francoise Bernard, und habe folgendes gemacht:


Beignets de fleur d’acacia

Für 1 Pers.
4 Akazienblütentrauben

50g Mehl
1 Ei
1 TL Öl
50 ml Bier (Alt habe ich genommen)
Salz
Zucker

Öl zum frittieren

Küchenpapier


Die Akazienblüten sollten möglichst sehr frisch sein, und sauber. Ich habe nur geprüft, dass keine Insekten dabei waren, habe die paar Pollenwölkchen von Fremdblüten entfernt, und musste meine nicht weiter säubern. Dabei muss ich erwähnen, dass heute Abend die meisten Zweige, die ich beobachten konnte, noch Knospen und keine Blüten hatten, so dass ich sicher sein kann, dass meine Blüten erst heute zu blühen gekommen sind.

Mehl, Ei und Öl habe ich vermischt, zusammen mit dem Salz, solange, bis keine Klumpen vorhanden waren. Das Bier habe ich dann hinzugefügt.

Das Öl habe ich auf 170°C erhitzt. Der Teig habe ich in der Zwischenzeit in einem 150ml Glas umgefüllt, weil es so leichter war, die Blütentrauben darin zu tauchen. Dabei werden sie durch die Zweigspitze gehalten. Frittiert wurden sie kurz – 2-3 Minuten, bis sie auf alle Seiten goldbraun sind - dann auf Küchenpapier gelegt, damit etwas von dem Öl weggesaugt wird. Und schließlich mit etwas Zucker bestreut, und am besten noch warm gegessen: Man hält die Traube durch den herausragenden Zweig, und isst die Blüten drum herum.


Was mir aufgefallen ist:
Ich habe das Rezept für den Teig durch drei geteilt, aber im Original nimmt man 1 Ei und zwei Eiweiße für 150g Mehl.
Hätte ich zum Frittieren einen tiefen Topf benutzt, statt einer Pfanne, hätte das ganze besser ausgesehen. Ich denke aber, dass mein Teig die richtige Konsistenz hatte. Er darf nicht zu flüssig sein, da er so an die Blüten nicht haften würde.
Ich hatte am Sonntag die Knospen schon gesehen, und wusste, dass sie in der Woche blühen würde. Da die Blütezeit sehrt kurz ist, muss man regelmäßig prüfen, wann die vorgesehenen Blüten verzehrbereit sind. Sie werden vermutlich in den nächsten Tagen am besten sein, die Blüten schön entfaltet, aber noch nicht zu alt.
In Frankreich kann man, wenn man etwas verzehren will, was man in der Natur gepflückt hat, worüber man sich nicht ganz sicher ist, zu jeder Apotheker gehen: Diese haben im Rahmen ihres Studiums gelernt, giftige von ungiftige Pilze und Pflanzen zu erkennen. Ich weiss aber bis heute nicht, ob es in Deutschland auch so ist. Auf jeden Fall, wer nicht weiss, was eine Akazie ist, sollte nicht versuchen, dieses Rezept nachzukochen!

Für die französischsprachigen Leser folgt einen Ausschnitt aus „Petit traité romanesque de cuisine“ von Marie Rouanet, ein Buch, das nicht zufällig oben im linken Balken dieses Blogs abgebildet ist:

« Les trottoirs de mai s’ornent de blancheur: les communiantes passent, voile au vent, et les fleurs d’acacia, tombées en abondance, leur font tapis d’un blanc un peu verdelet. Toutes les villes ont planté le robinier, si prolifique, que l’on désigne sous le nom d’acacia. Quel enfant n’a pas mangé les pistils des fleurs à la base sucrée ? Nous prenions en réserve dans nos poches, ramassées à poignées sur le ciment, ces fleurs que nous dépiautions dans la classe de mai, si chaude déjà que l’on fermait les volets à la clé.
Une ou deux fois dans le mois, ma mère acceptait de me faire des beignets. C’était toujours pour un goûter, ce repas préféré de l’enfance. Elle n’aurait pas osé présenter cela en dessert. L’acacia, ce n’était pas une nourriture, seulement une fantaisie de gosse et elle me faisait cette concession : sacrifier farine, œuf et huile pour les beignets que je mendiais. C’était donc toujours pour un quatre heures et tant qu’elle y était ma mère faisait les beignets pour toutes mes copines de jeu. Comme les autres mères en faisaient autant, nous passions le mois à en manger. A la fin, on savait que c’était fini pour onze mois, fini par la force des floraisons naturelles. Seul le mois de mai prochain ramènerait les communiantes, les fleurs et les beignets.
Je cueillais, dépassant d’un terrain vague ou d’un jardin, une branche bien pourvue en grappes fleuries de fleurs bien épanouies sans être flétries. Ma mère préparait une pâte à frire fluide – trois cuillères de farine, un œuf, un peu de lait, un peu d’eau, une pincée de sel. Elle prenait la grappe entière et la trempait. On aurait dit que les pétales n’avaient pas du tout retenu de pâte : tout semblait s’écouler, les fleurs mouillées devenaient pitoyables. Mais elle déposait la grappe dans la poêle pleine d’huile bouillante et tout se regonflait et dorait dans la minute. C’était presque magique, comme des papiers pliés chinois qui deviennent des fleurs dans un bol d’eau. »

Den Rest, und viel mehr, gibt es in diesem schönen Buch, das das ganze Jahr und seine saisonalen Täfelfreuden Revue passieren lässt.

Kommentare:

Cascabel hat gesagt…

Danke für dieses schöne Posting - jetzt habe ich richtig Akazienduft in der Nase!

vatel hat gesagt…

Chapeau, Veronique !
Das ist mit das Beste im Rückblick des Monats, musste mich leider ,Microsoft sei Dank...,in Blog-Abstinenz üben und
lass jetzt den Blogmonat Revue passieren.

kulinaria katastrophalia hat gesagt…

Bisher nur Borretsch- und Fliederblüten mit Teig versehen, aber Akazienblüten sind auch eine interessante Möglichkeit.