Schokolade und ich und Düsseldorf

Als ich klein war, war Schokolade etwas, das man in Form von höchstens zwei Stücke auf eine Scheibe Baguette um fünf Uhr nach der Schule bekam, und manchmal zu einer Mousse au Chocolat verarbeitete. Im Urlaub gab es etwas Besonderes. Wir kamen ab und zu bei meiner Großmutter zu folgendem Genuss: Sie legte zwei Schokoladenstücke, der kleinen Sorte, auf ziemlich dicke Baguettescheiben, legte die Scheiben, eine pro Enkelkind, in den Holzofen, und nahm sie wenige Minuten später heraus: Die Schokolade war völlig weich, hatte aber seine Form erhalten, das Brot war goldbraun, manchmal dunkler, und es duftete himmlisch. Schnell war die Schokolade auf die ganze Scheibe gestrichen, und wir aßen diesen leckeren Goûter sofort, mit glänzenden Augen.
Es gab damals in den normalen Geschäfte nicht viele Schokoladensorten: An Milchschokolade, weiße Schokolade, Kochschokolade und Haushaltsschokolade kann ich mich erinnern. Ich mochte sie damals schon sehr, und so war ich begeistert, als in der Grundschule eine Klassenfahrt uns zu der Schokoladenfabrik des Supermarkts Casino in Saint-Etienne führte, damals eine der Größten in Frankreich. Ich kann mich heute noch an die ersten Kakaobohnen erinnern, die ich da zur Sicht bekam, an die Kakaobutter in großen Blöcke, an den Duft, und an die gewaltige Größe der Fabrik. Ab diesem Punkt wusste ich grob, wie Schokolade hergestellt wird.
Was mir noch nicht bewusst war, ist dass, weil es unterschiedliche Anbaugebiete für Kakao gibt, die Kakaosorten unterschiedlich schmecken. Das änderte sich, als mein Vater eines Tages mit einem Schachtel Neapolitaner von Bonnat nach Hause kam, die er beim Hersteller gekauft hatte. Auf jedem Neapolitaner war die Herkunft der Bohne zu sehen (Chuao, Trinité, Ecuador…). Wir aßen sie langsam, über mehrere Tage, und verglichen die Geschmäcker der diversen Sorten. Obwohl solche Schokolade noch lange eine Ausnahme blieb, achte ich von da an, wie viele Franzosen auch, auf den Kakaoanteil in der Schokolade, und auf dem Geschmack. „Haushaltsschokolade“ verschwand aus unserer Welt. Nicht lange später kam Valrhona, auch ein Hersteller der Region Rhône-Alpes, aus der ich komme, und die Ansprüche der Kunden stiegen noch mehr.
Als ich in Deutschland kam, musste ich mich zuerst damit abfinden, dass dunkler Schokolade gar nicht beliebt war: Die einzige Sorte, die ich fand, war „Herrenschokolade“, und sie schmeckte mir gar nicht: Sie war stark, aber überhaupt nicht fein, so was wie billiger Schnaps für „Schoko-liker“. Dass es außerdem etwas sein sollte, was für „Herren“ ist, fand ich sehr merkwürdig. Und so amüsierte ich einige Jahre lang meinen Freunden, mit meiner Kritik an die Schokoladenlage in Deutschland, und meine meist vergebliche Suche nach guter dunkler Schokolade. Eine große Freude erlebte ich an den Tag, als ich bei Münstermann auf der Hohen Strasse in Düsseldorf Valrhona-Schokolade entdeckte. Die musste ich also nicht mehr aus Frankreich bringen, was immer ein Risiko mit sich brachte: Ich habe die Tendenz, die Schokolade schnell aufzuessen, die ich zu Hause habe…
In den letzten Jahren haben sich die Geschmäcker der Deutschen an die der Franzosen angenähert - diese Tendenz ist eigentlich in vielen reichen Länder zu beobachten – und man kann mittlerweile Schokolade lieben, und sehr glücklich in Deutschland, und in Düsseldorf, leben.

Nach Münstermann habe ich die großzügigen Schokoladenecke im Carsch-Haus entdeckt. Spitzenmarken aus aller Welt sind da vertreten, wie Dolfin, Galler, Coppeneur, Cluizel, Valrhona, Domori und Amadei. Und neuerdings gibt es in der Düsseldorfer Altstadt ein sehr schönes Geschäft, der sich ausschließlich mit Schokolade befasst, der Traum für Schokoladenliebhaber. Die Schokoladentafeln kommen von der besten Hersteller der Welt, teilweise die, die man bei Carsch-Haus findet, aber durchaus mit anderen Produkten, und auch andere Produzenten: So hatte ich nicht gedacht, dass ich in Düsseldorf Scharffen Berger Schokolade finden würde, und ich wusste nicht, dass es von Domori eine leckere weiße Schokolade mit Lakritz gibt. Ich bin noch dabei, mich durch die ganzen Kollektionen durchzuarbeiten…

Und bevor ich aufhöre, über mein Lieblingsnahrungsmittel neben Gemüse zu schreiben, will ich noch mein Lieblingsrezept für Mousse au Chocolat mitteilen. Wie ich die Scheibe Baguette mit dem geschmolzenen Stück Schokolade gegenüber Brot mit Nutella vorziehe, schmeckt sie mir sehr gut, und ist dabei so unglaublich simpel, dass keiner, der sie kennt, noch zu fertige oder halbfertige Mousse greifen sollte.



Mousse au Chocolat

Pro Person:
50g dunkler Schokolade
1 Ei
eine Prise Salz

Die Schokolade im nicht zu heißen Wasserbad schmelzen lassen. Schüssel aus dem Wasserbad nehmen, Eidotter zu der Schokolade geben, und rühren, bis die Masse glatt wird. Eiweiß mit der Prise Salz steif schlagen, und vorsichtig unter der Schokoladenmasse geben. Mindestens zwei Stunden kühl stellen, bevor es serviert wird.

Was mir aufgefallen ist:
Diese Mousse au Chocolat ist sehr stark im Geschmack. Man braucht also nicht mehr als die angegebene Menge/Person vorbereiten.
Man kann sie zu einem einfachen Obstsalat servieren, aus Orangen und Bananen, eventuell mit einem Schluck Grand Marnier.

Das neue Schokoladengeschäft in der Düsseldorfer Altstadt:
Gut + Gerne
Burgplatz 3-5
40213 Düsseldorf

Eine interessante, teilweise zweisprachige Seite zu Schokolade

Kommentare:

ostwestwind hat gesagt…

Oh, ja Bonnat schmeckt schon gut...
Domori 100 % aber auch!

Übrigens Dr. Oetker-Puddingpulver ist Stärke mit Farbstoff und Vanillearoma. Ich weiß inzwischen, wie Französinnen Vanillepudding kochen. Das Aroma aus der Schote, das Gelbe vom Ei. Du kannst das durch ca. 30 g Stärkemehl ersetzen :).

Véronique hat gesagt…

Viele Schokolade schmecken mir, und mittlerweile finde ich auch gut manche Milchschokolade, und weisse auch... 100% sollte ich kaufen: Bei diesem Prozentsatz isst hält ein Tafel, auch winzig klein, einiger Zeit.
Danke fürs Puddingerklärung! Das ist auch, was ich vermutet habe: Die Pulver-Propaganda hat muss den Deutschen vor langer Zeit gesagt haben, dass Pudding ohne Pulver nicht geht, und die meisten glauben es noch. Ich werde für Aufklärung sorgen. :-)

ostwestwind hat gesagt…

Vèronique, das ist eher eine Sache der deutschen Kochkultur. Herr Oetker hat das Pulver erfunden, damit viele "arme" Leute sich eine nahrhafte Nahrung ohne Ei- ähnlich wie bei Herrn Birds in England - leisten konnten. Vor diesem Hintergrund wirst du es schwer haben, dagegen anzukommen. Schon meine Urgroßmutter kochte "alltags" Pulverpudding und für "gut" die französische Variante, Vanille ist und war teuer:)

Véronique hat gesagt…

Danke Ulrike für diese Erklärungen. Genau weil mich so was interessiert schreibe ich mein Blog in Deutsch. :-) Mir war nicht bewusst, dass der Grund, warum es solche Pulverchen gibt, Armut war. Meine Familie kommt aus dem Land, die aus meiner Mutters Seite waren und sind noch Bauer, so dass Eier das normalste der Welt waren und sind. Vanilleschoten hat man früher nicht aufgeschlitzt, sondern in dem Zucker aufbewahrt, in der Milch gekocht, gespült, getrocknet, und wieder aufbewahrt. Es schmeckt auch so besser als Vanillin. Ich habe in Deutschland eher Leute kennen gelernt, die wenig und ungern kochen, und dachte, dass es der Grund für die Verbreitung von Fertig- und Halbfertigprodukte sei. Außer Vanille, die man aber immer wieder benutzen kann, ist heute keiner der Zutaten eines Puddings etwas, was man sich in Deutschland nicht leisten kann. Also halte ich - ich bin eine geborene Optimistin - eine Umstellung für möglich. Zwar wird sie wahrscheinlich nicht von den offiziellen Medien kommen, da die meisten ihre Existenz durch die Werbung der Lebensmittelindustrie sichert, man braucht nur sehen, welche Sponsors es bei Kochsendungen gibt, und wer in den Zeitschriften wirbt. Aber es gibt Alternativen, oder?

ostwestwind hat gesagt…

Hallo Véronique, diesmal ist der accent richtig;).

Ich reiche das Stöckchen A Foodbloggers Meme around the Word an dich weiter.

Zu den Pülverchen gebe ich dir recht, allerdings ist Dr. Oetker "Kult" und Kindheitserinnerung, deshalb ich werde damit immer für "alltags" meinen Pudding kochen, auf den Rest verzichte ich gerne.

Und auch wir Deutschen sind durchaus bildungsfähig, siehe Gemüse:)

Claudia hat gesagt…

Meine Oma schenkte mir zu Weihnachnten fertigen Rumtopf. Ich meinte: "Das schmeckt bestimmt zu einer 'Panna Cotta' oder einem "Mousse au chocolat blanc.'" Meine Oma daraufhin pikiert: "Es schmeckt auch gut zu einem Vanillepudding." Meine Mutter dazu: "Ja, genau. Man muss nicht immer aufwändig kochen." Beide meinten die Tüten-Variante. Anderen Vanillepudding kennen sie auch gar nicht. Ich hätte die Wände hochgehen können. Deutsche Kochkultur. Die Deutschen sind nicht ohne Grund diejenigen in Deutschland, die am wenigsten für Nahrungsmittel ausgeben.

Véronique hat gesagt…

Kirsch-Schoko Kuchen ohne Pulverchen wird in den nächsten Tagen gebloggt. Hat's geschmeckt! :-)
Wer nicht so häufig ausgeht, und nicht in Italien wohnt, kennt Panna Cotta nicht unbedingt. Meine Mutter hat es hier in Deutschland kennengelernt, durch mich, aber es ist in Frankreich immer noch nicht sehr verbreitet.
In der Regel wird leichter auf Kochen verzichtet, als auf Fernseh gucken. Wer das Kreieren und Entdecken von einem neuen Geschmack für weniger spannend als die neueste Folge von GZSZ hält, wird immer zu fertige Lösungen greifen. Ich halte das Stehen in der Küche als befreiender als das Sitzen vor der Glotze, und höre dabei Radio zu. :-).

Doberenz hat gesagt…

Bin gerade über Google auf der Suche nach Schokolade auf diesen Artikel gestoßen. Da bekommt man ja direkt wieder Lust auf Schokolade :-)

Zum Thema "Schokolade und ich und Düsseldorf" noch eine kleine Ergänzung: Bei Gut & Gerne gibt es mittlerweile auch Seminare zum Thema Schokolade sowie Schokolade & Wein. Eignet sich auch prima für Leute, die zunächst einmal verschiedene Sorten probieren möchten um ihren Favoriten zu finden: www.schokoladen-seminar.de

So, ich hole mir jetzt erst einmal ein Stück Schokolade ;-)