Ein Buch und ein Rezept

In der Schule hat mich Geschichte ziemlich gelangweilt. So wie es uns beigebracht wurde, ging es hauptsächlich um Männer, die sich bekämpften, um Grenzen zu verlegen. Nichts Spannendes. Interessant finde ich Geschichte, wenn sie mir schildert, wie Menschen lebten, konkret. Und klar, wenn ein Buch sich damit beschäftigt, das Essen einer Nation zu erklären und zu erzählen, muss ich zugreifen. Und ich bereue nicht, in London Beef and Liberty“ von Ben Rogers gekauft zu haben.
Es wurde geschrieben, nachdem die Franzosen trotz europaweiter Aufhebung des Verbots des Imports vom Rinde aus England, nach der BSE-Krise, es für notwendig gehalten haben, weiterhin dieses Fleisch zu verbannen. Die Engländer fanden diese Aktion damals sehr beleidigend. Und ich verstehe sie. Das Buch ist kein Buch gegen Frankreich - zumindest am Anfang nicht, ich habe es noch nicht zum Ende gelesen – sondern versucht, die Küche Englands zu erklären, auch im Vergleich zu der Frankreich, und der vom Rest Europas. Es ist für mich überraschend zu sehen, wie der Geschmack der Engländer früher zu den selben einfache Gerichte tendierte, egal ob reich oder arm, während in Frankreich bei den Höfe sehr raffiniert und kompliziert gekocht wurde. Bis zur Mitte der 18. Jahrhunderts waren Kochbücher in England von Frauen geschrieben, für Hausfrauen, während diese in Frankreich ausschließlich von Männern geschrieben waren, Chefköche im Hof, und nicht für den täglichen Gebrauch gedacht waren. Sehr interessant sind auch Erklärungen zu der Vorbereitung von Roast Beef: Auf die wurden während des Röstens Brotkrümmel und Ei oder Sahne oder Milch, und den Saft aus der Bratpfanne gegossen, so dass eine richtige Kruste entstand, etwas, was in einem modernen Backofen unmöglich ist. Es gab sogar komplizierte Systeme, um den Rostbraten zu drehen, davon manche, die mit der Kraft von Hunde bewegt wurden. Ich könnte jetzt noch mehr dazu schreiben, aber das Buch gibt es wohl schon, und ist sehr unterhaltsam geschrieben. Anscheinend ist es weder in deutsch noch in französisch übersetzt worden. Aber vielleicht kommt es noch!

Inspiriert von der einfachen Englischen Küche, und von der Steak, Stilton and mash pie, die ich in London gegessen habe, habe ich folgendes vorbereitet (jedoch ohne Fleisch):

Süsskartoffeln-Mash mit Champignons

Pro Person:
200g Süsskartoffel
40g Stilton
1 TL korniger Senf, ohne viel Essig!

400g Champignons, in Scheiben
300g Bouillon (Hühner oder Gemüse, oder eine Mischung mit Weisswein)
1 Knoblauchzeh, klein geschnitten
1 TL Dijon oder Düsseldorfer Senf
1 TL Butter
Petersilie
Salz, Pfeffer

Grüner Salat
Leichte Vinaigrette aus neutrales Öl und Weißweinessig, Salz und Pfeffer (ohne Senf)


In einem Topf die Butter schmelzen lassen, und den klein geschnittenen Knoblauchzeh hinzugeben, sowie kurz darauf die Champignons, und den Senf. Unter Rühren leicht anbraten lassen. Flüssigkeit hinzugeben, und köcheln lassen, bis die Flüssigkeit eine Sauce bildet.

In der Zwischenzeit die Süßkartoffeln im Wasser kochen, bis sie gar sind: Mit einem Nadel kann geprüft werden, wann es soweit ist. Die Größen können so unterschiedlich sein, dass es nicht viel Sinn hat, eine Zeitangabe zu machen. Nach dem Kochen pellen, in grobe Stücke schneiden, und mit Hilfe einer Gabel mit dem Stilton und dem Senf vermischen, aber nicht zu lange: Es soll grob und einfach bleiben, keine einheitliche Masse.

Die jetzt gekochten Champignons mit Salz und Pfeffer abschmecken: Da die Flüssigkeit erst jetzt reduziert ist, kann man sehen, ob Salz notwendig ist, und nachpfeffern. Die Petersilie auch hinzufügen.

Salat, Champignons und Mash anrichten, und sofort servieren.
Was mir aufgefallen ist:
Es ist Zeit, dass ich eine Pie selber vorbereite, und noch Einiges aus der englischen Küche. Mir schmeckt das ganze, und ausserdem ist es leicht aus Gemüse der Saison zu vorbereiten, zumindest in Winter. Ich will noch keine Tomaten!

Kommentare:

ostwestwind hat gesagt…

Wer mein englischer Lieblingskoch ist, weißt du ja :-)

Véronique hat gesagt…

Ich habe den ganzen Abend überlegt, was Du damit meinst, war auch auf Deiner Webseite... und weiß immer noch nicht, wer das ist. Kannst Du mich aufklären, bevor ich wieder eine schlaflose Nacht durchmachen muss? :-)

ostwestwind hat gesagt…

Ich koche doch Gary Rhodes 'rauf und 'runter, auch mein Fischbeitrag ist von ihm, das ist auch anderen schon früher aufgefallen, schau einmal hier, den Kommentar von Jan :). Nun bin ich jedenfalls nicht mehr Schuld, wenn du die Nacht nicht schlafen kannst, wo ich mich doch auch in Sachen Wein weitergebildet habe!

Véronique hat gesagt…

Jetzt weiß ich. :-) Ich habe ihn einmal im Fernsehen gesehen, im Hotel in Amsterdam, er hat Sauerkraut aus Weisskohl und Fenchel gemacht, serviert mit Lachs. Das habe ich zurück zu Hause direkt nachgemacht: Lecker! Ich werde jetzt noch genauer dein Blog lesen. (Muss langsam denken, ob ich nicht teilzeit arbeiten sollte...) Und was Wein angeht: Ich habe gesehen, dass Du an einem Seminar teilgenommen hast. Seitdem habe ich kein Blanchet-Alpträume mehr. ;-)

ostwestwind hat gesagt…

Da bin ich aber beruhigt und: Ich habe einen bezahlten Teilzeit-Job ;) mit Teilzeit-Geld :( und einen unbezahlten Fulltime-Job. Übrigens, dein Deutsch ist klasse, wenn ich nur 1/8 so gut französisch spräche!

aude hat gesagt…

Comme Ostwestwind, je dirais : dein Deutsch ist klasse ! le jour où je le parlerai comme ça, les poules auront des dents !

The Barrytone hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Véronique hat gesagt…

Aude, ich wünsche, man würde mein Akzent nicht lesen können. :-) Je suis en Allemagne depuis quelques années de plus que toi, patience!
Ulrike, ich arbeite, wie die meisten Französinnen, egal ob mit Kindern oder nicht, Vollzeit. Hausarbeit wird bei uns nicht als Arbeit verstanden. (Es ist doch nur Spass, oder? ;-)). Würde ich mehr Zeit an meinem Computer verbringen, dann könnte ich mich besser auf den Laufenden halten, was Blogs angeht...

ostwestwind hat gesagt…

Ja, ich habe schon von Pasquale gehört, welche paradiesischen Zustände für Mütter in Frankreich herrschen sollen ;). Jede Hausarbeit, zu der ich keine Lust habe, ist Arbeit. Kochen gehört mit Sicherheit nicht dazu:)